Was ist eine Radioisotopennephrographie oder Nierenfunktionsszintigraphie?

Verordnet der Hausarzt einen Nierenfunktionstest, stehen die meisten Patienten vor ein Rätsel. Wie sieht der Ablauf beim Nierenfunktionstest aus? Was wird da überhaupt getestet, und wie geschieht das? Was ist Tc-99m-MAG3? Eine Menge Fragen, die wir nachfolgend beantworten.

Auswertung Nierenfunktionstest Copyright: lenets, bigstockphoto.com

Wann braucht man den Nierenfunktionstest

Die beiden Nieren sind unsere beiden wichtigsten Ausscheidungsorgane für alle Abfallstoffe, die wasserlöslich sind. Zudem regulieren sie den gesamten Wasser- und Elektrolythaushalt und sind für eine Reihe wichtiger physiologischer Funktionen verantwortlich, darunter die Regulation des Blutdruckes. Viele Laborparameter lassen sich mit einer einfachen Urinuntersuchung oder mithilfe von Blutwerten wie Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure bestimmen.

Reichen diese Urinwerte und Nierenwerte für eine Diagnose nicht mehr aus, muss man einen Nierenfunktionstest durchführen. Er verrät, wie gut die Nieren durchblutet sind und wie viel Harn gebildet und ausgeschieden wird. Dabei ist eine getrennte Beurteilung der paarigen Organe möglich.

Ablauf Nierenfunktionstest – Das Wichtigste:

  1. Der Nierenfunktionstest (Nierenszintigraphie, Radioisotopennephrographie) dient der Untersuchung der Nieren auf ihre Fähigkeit zur Ultrafiltration.
  2. Im Vorfeld findet ein Aufklärungsgespräch statt, in dem der Arzt die Vorgehensweise erklärt und sich eine schriftliche Einverständniserklärung geben lässt. Gegebenenfalls muss die Einnahme einiger Medikamente vor der Untersuchung ausgesetzt werden.
  3. Für die eigentliche Untersuchung ist eine ausreichende Hydrierung notwendig. Der Patient erhält einen oder zwei Venenverweilkanülen zur Injektion und gegebenenfalls Blutentnahme.
  4. Die Darstellung der Nieren erfolgt mit einem radioaktiven Tracer, der sich nach der Injektion in den Harnwegen sammelt und mit einer Gammakamera verfolgt wird.
  5. Gleichzeitig lassen sich Blutproben zur Messung der verbleibenden Radioaktivität im Blut entnehmen.
weiblicher Patient mit dem Radiologen beim Nierenfunktionstest, Copyright: PramoteBigstock

Nierenfunktionstest – Wie funktionieren die Nieren?

Die Nieren arbeiten als hocheffizientes Filtrationssystem. In den Nierenkörperchen (Glomeruli) läuft das Blut durch ein Knäuel von Kapillaren, das nur durch eine hauchdünne Schicht Endothelzellen vom Harnraum getrennt ist. Diese Endothelzellen wirken wie ein Filter: kleine Moleküle und Ionen wie Wasser, Natrium, Chlorid können die Schranke passieren, wohingegen große Teilchen wie Bluteiweiße oder Blutkörperchen zurückgehalten werden. Man bezeichnet diesen Prozess als Ultrafiltration.

Die Menge des so gebildeten Primärharns entspricht der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und der Kreatinin-Clearance, zwei wichtigen Laborparametern für die Filtrationsleistung der Niere. Das gesamte Blutvolumen durchläuft täglich ungefähr 300 Mal die Nieren – gut 1.500 Liter. Heraus kommen dabei 180 Liter Primärharn.

Ein solcher Verlust von Wasser und Elektrolyten wäre fatal. Daher findet in den entfernteren (distalen) Nierentubuli eine Rückresorption statt, mit der Flüssigkeit und Mineralstoffe gezielt wieder in den Blutkreislauf zurückgeholt werden. Über diese Rückgewinnung kann der Körper den Elektrolyt- und Wasserhaushalt genau tarieren. Übrig bleiben letztlich ein bis zwei Liter Endharn, den wir täglich ausscheiden.

Nuklearmedizinische Untersuchung mit einem Radiopharmakon

In der Nuklearmedizin übernimmt ein Radiopharmakon die Aufgabe eines Kontrastmittels. Während dieses für die Röntgenstrahlung weniger durchlässig ist als das umliegende Gewebe und so eine Darstellung der Strukturen erlaubt, in denen es sich ansammelt, nutzt man bei nuklearmedizinischen Untersuchungen die Radioaktivität einer strahlenden Substanz. Sie reichert sich in bestimmten Geweben an, die sich vor dem nicht-radioaktiven Hintergrund darstellen lassen.

Für die Szintigraphie verwendet man keinen Röntgenfilm, sondern eine spezielle Gammakamera. Sie enthält einen Szintillator, einen Kristall, der Lichtblitze aussendet, wenn er von energiereichen Gammastrahlen getroffen wird. Aus diesen Lichtblitzen lässt sich ein Bild zusammensetzen, das man als Szintigramm bezeichnet. Ganz ähnlich arbeiten auch die Schilddrüsenszintigraphie oder die Knochenszintigraphie.

Die Gammakamera ist ein gutes Stück vom Ort der Strahlung entfernt – daher verwendet man Radionuklide wie Technetium-99m (99mTc), das energiereiche Gammastrahlen aussendet, die Gewebe mühelos durchdringen und große Strecken zurücklegen. Gammastrahlen können das Erbgut von Zellen beschädigen, sodass man die Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten versucht. Daher verwendet man auch im Ablauf einer Nierenfunktionsuntersuchung nur geringe Mengen des radioaktiven Tracers. Bis sich genug Lichtblitze im Szintillator gesammelt haben, dauert eine Weile.

Ablauf Nierenfunktionstest – Arztgespräch

Wie bei allen größeren medizinischen Untersuchungen findet vor dem eigentlichen Nierenfunktionstest ein Aufklärungsgespräch mit dem behandelnden Arzt statt. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Nuklearmediziner. Der Facharzt klärt den Patienten über die Vorgehensweise und die möglichen Risiken und Komplikationen auf. Im Anschluss daran muss der Patient mit seiner Unterschrift bescheinigen, dass er aufgeklärt wurde und mit der Durchführung der Untersuchung einverstanden ist.

Ist eine Änderung der Medikation im Vorfeld der Untersuchung notwendig, teilt der Arzt das mit. Das betrifft insbesondere einige Herz-Kreislauf-Medikamente – Diuretika und ACE-Hemmer müssen einige Tage vorher abgesetzt werden.

Bei Verdacht auf Schwangerschaft muss die Patientin das dem Arzt unbedingt mitteilen. Wegen der radioaktiven Strahlung vermeidet man zum Schutz des Embryos eine Nierenfunktionsszintigraphie.

Wichtigste Vorbereitung: Viel trinken!

Will man die Funktion der Nieren untersuchen, müssen sie etwas zu tun haben. Daher soll man vor der Untersuchung so viel trinken wie möglich. Das gilt auch für Kinder; Säuglinge sollten unmittelbar vorher noch einmal gestillt werden. Man rechnet mindestens 10 ml/kg Körpergewicht – bei einem Erwachsenen von 70 kg also mindestens 700 ml.

Zudem sollte man unmittelbar vor dem Nierenfunktionstest die Harnblase entleeren.

Legen eines peripheren Venenkatheters

Einen peripherer Venenkatheter (PVK, Venenverweilkanüle) legt der Arzt in der Armbeuge, damit er die für die Untersuchungen verwendeten radioaktiven Substanzen injizieren kann. Gegebenenfalls kommt je nach Untersuchungsziel ein zweiter PVK am anderen Arm hinzu, über den sich Blutproben entnehmen lassen.

Der eigentliche Nierenfunktionstest

Insgesamt muss man für den Ablauf des Nierenfunktionstests bis zu einer Stunde einplanen.

Für die Aufzeichnung der Gammakamera sitzt oder liegt der Patient und wendet dem Gerät den Rücken zu, sodass der Weg der Gammastrahlen so kurz wie möglich ist. Während dieser Zeit ist es wichtig, sich so wenig zu bewegen wie möglich, da das die Aufnahmequalität beeinträchtigt. Bei einer länger andauernden Untersuchung ist das vor allem bei Kleinkindern eine Herausforderung, sodass man vor der Untersuchung meistens ein Beruhigungsmittel verabreicht.

Welches Isotop der Arzt injiziert, richtet sich nach dem Zweck der Untersuchung. Die Injektion erfolgt mit einem kleinen Volumen, sodass die radioaktive Substanz quasi schlagartig in den Nieren erscheinen kann. Danach wird mit physiologischer Kochsalzlösung nachgespült.

Ablauf  bei einer statischen Nierenszintigraphie

Bei einer statischen Nierenszintigraphie verwendet man mit Technetium radioaktiv markierte 2,3-Dimercaptosuccinsäure, 99mTc-DMSA. Das Radionuklid sammelt sich im funktionsfähigen Nierengewebe an, sodass sich Anomalien, Entzündungen und nicht-funktionelle Bereiche darstellen lassen. Diese Anreicherung dauert etwa zwei Stunden – erst danach wird die Aufnahme mit der Gammakamera gemacht.

Ablauf  bei einer dynamischen Nierenszintigraphie

Bei einer dynamischen Nierenfunktionsszintigraphie kann man zwischen der Filtration in den Nierenkörperchen (Glomeruli) und in den Nierenkanälchen (Tubuli) unterscheiden: 99mTc-MAG3 (Mercaptoacetyltriglycin) wird tubulär eliminiert,99mTc-DTPA (Diethylentriaminpentansäure) wird glomerulär filtriert. 99mTc-MAG3 wird aktuell am häufigsten für Untersuchungen der Nierenfunktion verwendet.

Wichtig für die Beurteilung des Ausgangszustandes ist eine Reihe von Aufnahmen, die unmittelbar nach Injektion gemacht werden. Hier lässt sich nachverfolgen, wie das Radionuklid in die Nieren eingeflutet wird. Die weitere Verteilung wird über etwa eine halbe Stunde erfasst.

Darüber hinaus entnimmt man in regelmäßigen Abständen eine Blutprobe zur Bestimmung der Radioaktivität im Blut.

Quellen, Links und weiterführende Literatur