Cannabisblüten werden meist mit einem Vaporizer angewandt

Berlin: Cannabis wird heute bei verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden eingesetzt. In Deutschland ermöglicht das 2017 in Kraft getretene Gesetz „Cannabis als Medizin“ die therapeutische Anwendung von Cannabis.

Neben Cannabis-Medikamenten kommen auch Cannabisblüten zum Einsatz. Diese können unterschiedlich angewandt werden, unter anderem als Teeaufguss. Die häufigste Anwendungsform ist das Inhalieren von Cannabis mit dem Vaporizer (*naturheilkunde-krbes.de). Dabei werden die Cannabisblüten erhitzt und die Patienten atmen die Inhaltsstoffe zusammen mit dem dabei entstehenden Dampf ein. Über die Atemschleimhaut gelangen die Wirkstoffe direkt ins Blut, die Wirkung von Cannabis tritt innerhalb von zwei bis drei Minuten ein.

Medicinal marijuana cannabis Copyright: trimaylova kristina, bigstockphoto

Viele Patienten bezahlen den Vaporizer aus der eigenen Tasche. Das muss aber nicht sein. Die Kostenübernahme für einen Vaporizer kann bei der Krankenkasse beantragt werden. (1)

Das Verdampfen mit dem Vaporizer ist gesünder als das Rauchen von Cannabis

Die wohl bekannteste Anwendungsform von Cannabis ist das Rauchen mithilfe sogenannter Joints. Diese Methode wird weltweit auch von vielen Cannabis-Patienten praktiziert, hat aber entscheidende Nachteile.

  1. Potentiell gesundheitsschädlich: Beim Rauchen entstehen während des Verbrennungsprozesses gesundheitsschädliche Verbindungen, einige davon wirken kanzerogen. Wissenschaftler bringen das regelmäßige Rauchen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen in Verbindung. (2)(3)

Aus diesem Grund empfehlen Ärzte, Cannabisblüten nicht zu rauchen, sondern mit einem Vaporizer zu inhalieren. Dabei werden die Cannabisblüten nicht verbrannt, sondern verdampft – es bilden sich keine gesundheitsschädlichen Verbindungen.

  1. Weniger effektiv: Zudem scheint das Inhalieren mit einem Vaporizer effektiver als das Rauchen zu sein. Beim Rauchen gehen ungefähr 20 Prozent der Cannabinoide (Hauptwirkstoffe von Cannabis) in den Rauch über. Der Dampf, der in einem Vaporizer entsteht, enthält hingegen bis zu 90 Prozent der Cannabinoide.
  2. Lästiger Geruch: Ein weiterer, nicht unwesentlicher Vorteil des Vaporizers: Die Wohnung bleibt geruchfrei. Beim Rauchen von Cannabis bleibt der dabei entstehende Geruch noch lange wahrnehmbar. Beim Verdampfen ist das nicht so, der Geruch verflüchtigt sich und bleibt nicht in Textilien hängen.

Für welche Vaporizer die Krankenkasse die Kosten übernimmt

Mittlerweile sind viele verschiedene Vaporizer erhältlich. Grundsätzlich gibt es zwei unterschiedliche Ausführungen: Standgeräte oder Tisch-Vaporizer. Letzere sind nicht so einfach transportabel. Sie eignen sich für die Anwendung zuhause und benötigen meist einen Stromanschluss. Beliebter sind die tragbaren Hand-Vaporizer. Im Gegensatz zu Tisch-Vaporizer sind sie leichter, kleiner und werden mit Batterien betrieben. Sie können überallhin mitgenommen werden.

Kunden haben heute die Wahl, viele Firmen stellen Vaporizer in unterschiedlichen Preissegmenten her. Die Krankenkassen übernehmen jedoch nur für zwei Modelle die Kosten. Dies sind der Tisch-Vaporizer Volcano Medic und der Hand-Vaporizer Mighty Medic. Beide werden von der deutschen Firma Storz & Bickel GmbH hergestellt, sind solide verarbeitet und haben sich auch bei intensiver Nutzung als zuverlässig und langlebig bewährt. Von allen im Handel erhältlichen Vaporizern sind nur der Volcano Medic und der Mighty Medic als Medizinprodukte zugelassen. Der Volcano Medic hat die Pharmazentralnummer (PZN) 12955483, der Mighty Medic die PZN 12955514. Durch ihren Status als Medizinprodukte kann die Übernahme der Anschaffungskosten bei der Krankenkasse beantragt werden.

Anzeige

 

Volcano Classic Vaporizer Komplett Set
Volcano Classic Vaporizer Komplett Set

Die Kosten für den Vaporizer bei der Krankenkasse beantragen

Die Kostenübernahme für einen Vaporizer ist direkt an die Kostenübernahme von Cannabis gebunden. Nur wenn die Krankenkasse die Kosten für die Cannabis-Therapie übernimmt, besteht die Aussicht, dass sie auch den Vaporizer bezahlt. Das Prozedere ist bei den Krankenkassen leider nicht einheitlich. Patienten erfragen am besten direkt bei ihrer Krankenkasse, ob die Kosten für Cannabis und den Vaporizer gleichzeitig oder nacheinander beantragt werden können. Es ist von Vorteil, dass auf der Kostenübernahme von Cannabisblüten die Inhalation als gewünschte Anwendungsform vermerkt ist.

Sobald die Kostenübernahme genehmigt ist, kann der entsprechende Vaporizer in einer Apotheke bestellt werden.

cannabidiol
Cannabis of formula CBD. Structural model of cannabidiol molecule. Cannabis of formula CBD. Structural model of cannabidiol molecule. Copyright: Aleksandr Kravtsov, bigstockphoto

Cannabis mit einem Vaporizer richtig verdampfen

Grundsätzlich sollten beim Verdampfen von Cannabis die Anweisungen der Ärztin/des Arztes befolgt und die Produkthinweise des Herstellers des Vaporizers beachtet werden. Wichtig ist vor allem die Einstellung der richtigen Temperatur am Inhalationsgerät. Die wichtigsten Hauptwirkstoffe von Cannabis sind die Cannabinoide THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol, Anwendung erklärt von Natur-Kompendium.com). Beide liegen in Cannabis nur zu einem geringen Teil in ihrer reinen Form, sondern als sogenannte Carboxylsäuren THCA und CBDA vor. THCA und CBDA sind nur eingeschränkt wirksam und sollten vor der Anwendung in ihre aktive Form umgewandelt werden.

Dies geschieht mittels der sogenannten Decarboxylierung. Dabei verlieren THCA und CBDA jeweils ein Molekül und werden damit in die wirksame Form THC und CBD verwandelt. Zur Decarboxylierung kommt es unter anderem bei ausreichender Hitzeeinwirkung. Beim Verdampfen von Cannabis mithilfe eines Vaporizers ist daher die richtige Einstellung der Verdampfungstemperatur wichtig. Diese sollte zwischen 180 und 210 Grad Celsius liegen.

 

Über den Autor

Sebastian Vigl ist Heilpraktiker in Berlin und Autor diverser Ratgeber. Zusammen mit seiner Praxiskollegin Anne Wanitschek veröffentlichte er im Herbst 2018 den Ratgeber „Cannabis und Cannabidiol (CBD) richtig anwenden“.

Quellen und Links:

(1) Grotenhermen, Franjo; Müller-Vahl, Kirsten. Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(29-30): 495-501

(2) Piano MR. Cannabis Smoking and Cardiovascular Health: It’s Complicated. ClinPharmacol Ther. 2017 Aug;102(2):191-193

(3) Ribeiro LI, Ind PW. Effect of cannabis smoking on lung function and respiratory symptoms: a structured literature review. NPJ Prim Care Respir Med. 2016 Oct 20;26:16071

(*Partnerlink zu Amazon)