Schlaflabor
Untersuchungen im Schlaflabor, Copyright: Zinkevych bigstockphoto, www.grossesblutbild.de

Ablauf und Untersuchungen im Schlaflabor

Sie verspüren nervöse Unruhe, haben Einschlafprobleme am Abend, sind nachts ständig wach, schnarchen oder haben Atemaussetzer? Damit sind Sie nicht allein, denn Schätzungen zufolge leidet jeder Zehnte an Schlafstörungen. Oft lassen sich die Ursachen nicht so ohne weiteres ergründen. Ein Nacht im Schlaflabor kann Ihre Beschwerden klarstellen. Wir informieren Sie hier über die wichtigsten  Untersuchungen im Schlaflabor, zeigen was im Schlaflabor pasiert und wie Sie sich für das Schlaflabor richtig vorbereiten. Denn erholsamer Schlaf ist für das körperliche und geistige Wohlbefinden unbedingt notwendig.

 

Was ist ein Schlaflabor

Ein Schlaflabor dient der Feststellung von Schlafstörungen und Veränderungen der Atmung während des Schlafes. Untersuchungen im Schlaflabor ordnet ein Arzt an, wenn eine Befragung des Patienten oder ambulante Verfahren nicht ausreichen, um hinter diese Ursachen zu kommen. Wenn die Ursachen der Schlafstörungen gefunden sind, lässt sich mit einer Therapie sicherstellen, dass der Patient in Zukunft besser schläft und tagsüber nicht ständig müde ist.

Der Ablauf im Schlaflabor

Der Ablauf im Schlaflabor sieht so aus, dass Sie in einem speziell ausgestatteten Patientenzimmer übernachten. Dabei werden Ihre Körperfunktionen mit verschiedenen Messmethoden aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen, ein sogenanntes Polysomnogramm, werden anschließend ausgewertet, sodass man Veränderungen gegenüber „normalem“ Schlaf feststellen kann. Die wesentlichsten Beschwerden sind Schnarchen und/oder Atemaussetzer während der Nachtruhe, die sogenannte Schlafapnoe.

Die Untersuchungen im Schlaflabor sind ungewohnt und die Verkabelung wird von den meisten als lästig empfunden. Sie sind jedoch völlig schmerzfrei und mit keinerlei Nebenwirkungen verbunden. Sie brauchen also überhaupt keine Angst zu haben, dass Ihnen die Untersuchungen im Schlaflabor irgendwie schaden könnten.

Ablauf  und Untersuchungen im Schlaflabor – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Wenn Sie an Schlafproblemen leiden und Ihr Arzt die Ursache durch Befragung nicht herausfinden kann, wird er weitergehende Untersuchungen im Schlaflabor anordnen.
  2. Für die Untersuchung müssen Sie ein oder zwei Nächte in einem speziell dafür ausgestatteten Patientenzimmer verbringen.
  3. Während Ihres Schlafes zeichnet ein sogenannter Polysomnograf Ihre Körperfunktionen auf. Dazu gehören die Aktivitäten von Hirn, Herz, Atmung, Muskelbewegungen und Schnarchgeräusche. Hierfür werden Sie vor dem Schlafengehen entsprechend verkabelt.
  4. Die Aufzeichnungen des Polysomnografen erlauben die Identifizierung Ihrer Schlafphasen und deren Länge und lassen damit Rückschlüsse auf mögliche Ursachen zu.
  5. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und hat keine Nebenwirkungen. Sie werden dadurch nicht beeinträchtigt und können danach Ihrem üblichen Tagesgeschäft nachgehen.

 

 

Welche Untersuchungen werden im Schlaflabor durchgeführt?

Schlafen klingt einfach. In Wirklichkeit ist Schlaf ein äußerst komplexer Prozess, der in verschiedenen Phasen verläuft und in denen sich Hirnaktivität und Körperfunktionen ständig verändern. Wichtig für die Erholung ist vor allem der Tiefschlaf und REM-Schlaf, der sich durch rasche Augenbewegungen (rapid eye movement) auszeichnet.

Mit Sensoren und Elektroden erfasst das Überwachungsgerät (Polysomnograf)

  • Hirnaktivität
  • Herzaktivität
  • Atemaktivität
  • Sauerstoffsättigung des Blutes
  • Körperlage
  • Muskelbewegungen des Brustkorbes (Atembewegungen)
  • Muskelbewegungen der Augen
  • Muskelbewegungen des Kinns
  • Muskelbewegungen der Beine
  • Schnarchgeräusche

Für die verschiedenen Schlafphasen sind bestimmte Charakteristika dieser Körperfunktionen typisch. Daher kann der Arzt anhand der Aufzeichnungen die Schlafphasen identifizieren und ihre Länge feststellen. Findet er dabei Unterschiede zum normalen Schlaf, gibt das die ersten Hinweise auf dahinter steckende Störungen.

 

Wie muss ich mich auf den Ablauf im Schlaflabor vorbereiten?

Arztgespräch. Wenn Ihr Arzt Sie an ein Schlaflabor überwiesen hat, wird man Ihnen dort in einem ausführlichen Vorgespräch den Ablauf im Schlaflabor ganz genau erklären. Meist müssen Sie dort ein oder zwei Nächte, manchmal auch mehr verbringen. Das wird Ihnen Ihr Arzt bereits hier mitteilen, damit Sie gegebenenfalls Ihren Tagesablauf darauf abstimmen können. Zudem erhalten Sie dort Ihre Termine für die Untersuchungen im Schlaflabor.

Medikamente. Bei diesem Gespräch wird Sie der Facharzt nach Ihrer normalen Tagesmedikation fragen und Sie gegebenenfalls darauf hinweisen, welche Tabletten Sie anders einnehmen oder für die Untersuchungen im Schlaflabor absetzen müssen.

Nahrungsaufnahme. Sie können in der Regel vor den Untersuchungen im Schlaflabor essen, was Sie möchten. Allerdings sollten Sie sich nicht gerade kurz zuvor den Bauch mit allerlei schwer Verdaulichem vollschlagen, was Ihre Nachtruhe mit Sicherheit beeinträchtigen würde. Was Sie am Tag der Untersuchung spätestens ab Mittag vermeiden sollten, sind alle Wachmacher wie Kaffee, schwarzen Tee oder die beliebten Energy Drinks. Alles was Ihnen nachts Flügel verleihen könnte ist für die Untersuchung unangebracht.

Vorschlafen. Ähnliches gilt für Mittagsschlaf & Co., den Sie sich vor den Untersuchungen im Schlaflabor besser ersparen sollten. Frisch und ausgeschlafen zu Untersuchungen im Schlaflabor zu erscheinen wäre für den nächtlichen Schlaf und die Aufzeichnungen kontraproduktiv.

Körperpflege. Denken Sie daran, dass man Sie für die Untersuchungen im Schlaflabor mit reichlich Kabeln verdrahtet. Dafür sind eine vorhergehende Dusche und frisch gewaschene Haare sicher empfehlenswert. Auf Körperpflegeprodukte wie Haarspray, Gel, Körperlotionen und ähnliches sollten Sie lieber verzichten, denn darauf halten die Elektroden nicht besonders.

Gepäck. Einen ganzen Koffer voller Gepäck müssen Sie für die Untersuchungen im Schlaflabor nicht mitbringen. Es reicht die gleiche Ausstattung wie für eine normale Übernachtung bei Freunden oder im Hotel. Also Schlafanzug, Zahnbürste, Wäsche für den nächsten Tag und vor allem Ihre normalen Medikamente.

 

Wie sieht der Ablauf im Schlaflabor aus?

In der Regel müssen Sie am frühen Abend in Ihrem Schlaflabor erscheinen. Dort erklärt Ihnen das Personal noch mal das Vorgehen, zeigt Ihnen die Räumlichkeiten und gibt gegebenenfalls besondere Hinweise. Das Zimmer sieht im Großen und Ganzen aus wie ein ganz normales Patientenzimmer im Krankenhaus. Allerdings befindet sich in einem Nebenraum die Überwachungsanlage mit dem Polysomnografen und dem Personal, das Sie in der Nacht betreuen wird. Dazu gehört neben Ihrer Verkabelung auch eine Infrarotkamera mit Videoaufzeichnung und eine Gegensprechanlage, mit der Sie sich gegebenenfalls verständigen können. Die Videoaufzeichnung soll dazu dienen, besondere Auffälligkeiten in den Aufzeichnungen mit Ihrem körperlichen Verhalten in Zusammenhang bringen zu können.

Wenn Sie sich fertig gemacht und umgezogen haben, nehmen die Pflegekräfte die Verkabelung vor. In der Regel liegen Sie dafür bereits im Bett. Die Verkabelung besteht aus

  • mehreren Elektroden am Kopf, die mit einem Elektroenzephalografen (EEG-Gerät) verbunden sind, der Ihre Hirnaktivität aufzeichnet;
  • weiteren Elektroden zur Aufzeichnung der Augenbewegungen (wichtig für die Identifizierung des oben beschrieben REM-Schlafes);
  • einer Elektrode zur Registrierung von Bewegungen des Kinns;
  • einem kleinen Mikrofon am Hals, das Schnarchgeräusche aufzeichnet;
  • Elektroden eines Elektrokardiografen, das Ihre Herzaktivität in Form eines EKG misst;
  • Sensoren an einer Fingerkuppe oder einem Ohrläppchen zur Messung der Sauerstoffsättigung des Bluts (Oxymeter);
  • einem Sensor zwischen Nase und Mund zur Messung des Atemflusses;
  • einem Gurt um Bauch und Brustkorb, der mit Dehnungssensoren Ihre Atembewegungen erfasst;
  • einem weiteren Sensor auf diesem Gurt, mit dem die Körperlage festgestellt wird;
  • Elektroden an den Unterschenkeln zur Registrierung von Beinbewegungen.

Die Elektroden bringt man mit einem hautfreundlichen Spezialklebstoff auf Ihrer Haut an, der für ausreichenden Halt sorgt und von den meisten Patienten gut vertragen wird. Danach sollten Sie schlafen. Wundern Sie sich nicht: Das Anbringen der ganzen Elektroden kann eine halbe Stunde oder länger dauern!

 

Kann ich mit der ganzen Verkabelung für den Ablauf im Schlaflabor überhaupt schlafen?

In der Regel gewöhnen sich Patienten relativ schnell an die ganzen Strippen an ihrem Körper. Die Drähte sind so angebracht, dass sie Ihre Bewegungsfreiheit so wenig wie möglich beeinträchtigen. Sie können sich problemlos im Bett drehen und wenden wie Sie es von daheim gewöhnt sind.

Einige Patienten schlafen sogar besser als daheim, da der Druck wegfällt, gut schlafen zu müssen, um den nächsten Arbeitstag überstehen zu können. Zudem haben Sie im Schlaflabor ein Einzelzimmer und viel Ruhe – vielleicht sogar mehr als daheim. Kein Straßenlärm, keine feiernden Nachbarn, keine Katze, die nachts um drei feststellt, dass sie am Verhungern ist…

Die Überwachung und Aufzeichnung findet in einem Nebenraum statt, wovon Sie normalerweise überhaupt nichts mitbekommen.

 

Ablauf im Schlaflabor: Was passiert nach der Untersuchung?

Am morgen danach können Sie, sofern Sie nicht stationär im Schlaflabor bleiben müssen, nach Hause gehen. Zuvor werden die ganzen Elektroden entfernt, was auch wieder eine ganze Weile dauert. Gegebenenfalls müssen Sie für die nächste Untersuchung abends wiederkommen.

Am Ende der Untersuchungsreihe werten die ärztlichen Spezialisten Ihre Aufzeichnungen aus und machen mit Ihnen einen Termin ab, um die Ergebnisse mit Ihnen durchzugehen und zu besprechen. Wundern Sie sich nicht, wenn die Auswertung einige Zeit in Anspruch nimmt. Denken Sie daran, wie viele Parameter über einen Zeitraum von in der Regel acht Stunden kontinuierlich bei den Untersuchungen im Schlaflabor erfasst wurden. Alle diese Ergebnisse füllen Bände und benötigen auch bei Auswertung durch einen Spezialisten einige Zeit.

Wenn die Schlafexperten den Verdacht auf bestimmte Schlafstörungen hegen, empfehlen Sie eine dafür geeignete Therapie. Gegebenenfalls müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um ein nicht eindeutiges Ergebnis zweifelsfrei belegen zu können. Das sind vor allem neurologische Untersuchungen und des Herz-Kreislaufsystems oder des Blutes.

Die Resultate der Untersuchungen im Schlaflabor erhält Ihr Hausarzt, der sich dann um eine Nachuntersuchung und Ihre weitere Behandlung kümmert.

 

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)/Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM): Langfassung der Leitlinie „Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörungen – Schlafbezogene Atmungsstörungen“, Stand: 23.12.2016, gültig bis 22.12.2019.
  2. AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)/Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Leitlinien „Müdigkeit„:
    • Kurzfassung der Leitlinie „Müdigkeit“: PDF>>.
  3. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: Informationen für Patienten – Ratgeber
    • „Der spezifische Schlaf von Frauen“: PDF>>.
    • „Ein- und Durchschlafstörungen“: PDF>>.
    • „Schlaf im Alter“: PDF>>.
    • „Schlafstörungen bei Säuglingen, Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen“: PDF>>.
  4. Jürgen Schuster, Susanne Kümmerle: Der Schlaftrainer: 4 Schritte zu gutem Schlaf. 2. Auflage. München 2010: Gräfe & Unzer-Verlag. ISBN-10: 3833818204.
  5. Michael Feld: Schlafen für Aufgeweckte: Mehr Lebensenergie durch guten Schlaf. 3. Auflage. München 2010: Südwest-Verlag. ISBN-10: 3517088153.
  6. Bernd Saletu, Susanne Altmann: Faszination Schlaf – Schäfchen zählen war gestern. Hamburg 2015: G. Maudrich-Verlag. ISBN-10: 3990020048.