Ist man bei einem Krankenhausaufenthalt automatisch arbeitsunfähig?

Im ersten Moment klingt es ganz selbstverständlich: Es liegt eine Arbeitsunfähigkeit bei jedem Krankenhausaufenthalt vor, denn immerhin ist man so krank, dass der normale Hausarzt nicht reicht. Doch so einfach ist es im Alltag leider nicht. Es kommt auf verschiedene Faktoren an. Um im Ernstfall immer Klarheit zu haben und die richtigen Entscheidungen zu treffen, zeigen wir Dir hier, wann eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt.

„Entscheidend ist, ob Du stationär oder ambulant im Krankenhaus bist und ob Du entsprechend eine Form der Aufenthaltsbescheinigung erhältst.“

Was bescheinigt die Arbeitsunfähigkeit beim Krankenhausaufenthalt?

Prinzipiell gibt es zwei Bescheinigungen, die Du bei Arbeitgeber und Krankenkasse vorlegen kannst, um Deine Arbeitsunfähigkeit nachzuweisen. Die bekannteste Form ist die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Sie darf ausdrücklich nur von Medizinern ausgestellt werden, die Dich persönlich behandelt haben. Das umfasst neben niedergelassenen Ärzten aber auch die angestellten Mediziner im Krankenhaus.

„Häufig stellen Kliniken aber bei Patienten mit Übernachtungen keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus, sondern geben Dir eine sogenannten Liegebescheinigung. Auch diese genügt als Nachweis.“

Die Liegebescheinigung wird vom Personal des Krankenhauses erstellt und zeigt das Aufnahmedatum sowie das (geplante) Entlassungsdatum an. Ausgedruckt wird das offizielle Dokument erst am Entlassungstag selbst. Es kann jedoch eine aktuelle Liegebescheinigung für den Arbeitgeber ausgestellt werden, bei der die Gesamtdauer noch offen ist. Je nach Länge der Behandlung können auch weitere „Zwischenberichte“ angefertigt und eingereicht werden.

In diesem Zusammenhang wichtig: Das Vorstellen in der Notaufnahme ohne anschließende Einweisung zählt als ambulante Versorgung. Liegebescheinigungen gibt es daher nicht. Maximal an die Notaufnahme angegliederte D-Ärzte (Durchgangsärzte für Arbeitsunfälle) können Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen vor Ort ausstellen.

Bevor eine Krankschreibung erfolgen kann: Welche Art des Klinikaufenthalts liegt vor?

Wer im Krankenhaus als Patient ist, fühlt sich nicht gut und benötigt medizinische Betreuung. Daher denken die meisten Menschen, dass automatisch eine Arbeitsunfähigkeit bei jedem Krankenhausaufenthalt vorliegt. Unterscheiden musst Du jedoch fünf verschiedene Formen des Aufenthalts:

1. die vollstationäre Form
In diesem Fall wurdest Du entweder über die Notaufnahme oder über einen Einweisungsschein Deines Haus- bzw. Facharztes in der Klinik aufgenommen und bleibst über Nacht. Du bist dauerhaft im Krankenhaus anwesend und die gesamte Behandlung findet durch das Klinikpersonal statt.

2. die teilstationäre Form
Bei dieser Krankenhausbehandlung bist Du als Tages- oder Nachtpatient eingeschrieben. Das bedeutet, Du bist nicht dauerhaft auf dem Klinikgelände. Im Regelfall ist die teilstationäre Therapie in den Tagesstunden und Patienten erscheinen nach ihrem Frühstück in der Klinik und gehen am Nachmittag wieder in ihre eigenen Wohnungen zurück.

3. die vorstationäre Form
Diese Sonderform gilt für Patienten, die aufgrund einer bestehenden, jedoch nicht sofort lebensbedrohlichen Krankheit einen vollstationären Aufenthalt in Ruhe planen können. Sie haben entsprechend einen Termin in der Klinik, bei der über die kommende Behandlung gesprochen wird. Die Vorbereitung umfasst beispielsweise ein Gespräch mit dem Anästhesisten. Übernachtungen sind nicht nötig.

4. die nachstationäre Form
Je nach Schwere der Erkrankung oder je nach Verlauf einer Operation werden Patienten auch nach Abschluss der eigentlichen Therapie weiter betreut. Diese nachstationären Behandlungen sind in der Regel gesetzlich befristet und liegen bei sieben Tagen. Der Patient übernachtet ausdrücklich nicht mehr in der Klinik und erhält auch keine sonstige Verpflegung.

5. die ambulante Form
Hier besuchst Du als Patient die Klinik ebenso wie einen Haus- oder Facharzt mit eigener Praxis. Du bist stabil und musst nicht vom Krankenhaus überwacht werden. Diese Versorgungsform ist dann nötig, wenn eine Krankheit spezielle Untersuchungen nötig macht, für die der normale Arzt nicht das passende Equipment hat.

Wann gibt es eine Arbeitsunfähigkeit für den Krankenhausaufenthalt?

Entsprechend der fünf Formen gibt es auch unterschiedliche Regelungen, ob Du einen Nachweis über eine Arbeitsunfähigkeit erhältst.

Sowohl bei einer vollstationären als auch bei einer teilstationären Behandlung in einer Tagesklinik besteht eine Arbeitsunfähigkeit. Der Krankenhausaufenthalt macht es offenkundig notwendig, dass Du nicht beim niedergelassenen Arzt oder durch eine Tagespflege ausreichend behandelt werden kannst. Daher kann keine Arbeitsfähigkeit vorliegen.

Komplizierter wird es bei vor- und nachstationären Behandlungen sowie der ambulanten Form. In allen drei Fällen bist Du körperlich und mental gesund genug, um ohne Übernachtung oder sonstige Verpflegung in der Klinik an Untersuchungen und gegebenenfalls kleinen Eingriffen teilzunehmen. Eine Liegebescheinigung fällt automatisch mangels Übernachtung weg und eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hängst stark von den individuellen Umständen ab.

Besuchst Du beispielsweise nur den Anästhesisten, um für die geplante OP alle Vorbereitungen zu treffen, gibt es selten eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Anders sieht es aus, wenn für eine Untersuchung eine Kurznarkose eingeleitet wird oder für eine Diagnose an den Augen spezielle Augentropfen zum Einsatz kommen, durch die das Sichtfeld auf Stunden verändert ist. In solchen und ähnlichen Fällen bist Du an diesem Tag kaum arbeitsfähig und musst entsprechend freigestellt werden.

Im Zweifelsfall solltest Du vorab oder spätestens am jeweiligen Tag in der Klinik anfragen, wie die Arbeitsunfähigkeit gehandhabt wird.

Die Übergangsversorgung im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt

Oft war eine längere Behandlung im Krankenhaus sehr anstrengend für den Körper und viele Patienten müssen auch Schocks wie beispielsweise die Todesangst bei einem Herzinfarkt erst einmal psychisch verarbeiten. Seit 2017 ist es den Ärzten im Krankenhaus daher auch erlaubt, für maximal sieben Tage ab der Entlassung einen weiteren Krankenschein auszustellen. Damit soll es dem Patienten möglich sein, langsam wieder im Alltag anzukommen und wichtige Erledigungen zu tätigen, die sonst mit der Arbeitszeit zusammenfallen würden.

Wer länger als diese sieben Tage benötigt, muss sich beim Hausarzt oder einem zuständigen Facharzt melden und kann gegebenenfalls von diesem erneut krankgeschrieben werden.