Traumatologe

Mysterium Facharzt: Wann muss man zum Traumatologe und welche Aufgaben hat er:

Traumatologie hat wenig mit Träumen zu tun – die deutsche Bezeichnung dafür ist Unfallheilkunde oder Unfallmedizin, also ist ein Traumatologe ein Unfallarzt.

Traumatologen helfen bei der Überwindung von Unfallfolgen, kümmern sich um die Prävention von Unfällen und arbeiten nach ihrer Akutversorgung mit anderen medizinischen Fachdisziplinen eng zusammen, um Patienten so gut es geht wieder ein normales Leben zu ermöglichen.

Traumatologe

Traumatologie – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Traumatologie ist die deutsche Bezeichnung für Unfallheilkunde, ein Teilgebiet der Chirurgie. Traumatologen sind Fachärzte für Chirurgie oder Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie.
  2. Beschäftigungsgebiet der Traumatologie sind vor allem Verkehrs-, Sport- und Arbeitsunfälle.
  3. Neben der Akutbehandlung sind Unfallprävention, wiederherstellende und funktionserhaltende Maßnahmen und Rehabilitation wichtige Tätigkeitsfelder der Traumatologie.
  4. Traumatologen arbeiten eng mit anderen medizinischen Fachrichtungen zusammen. Die meisten Unfallärzte sind zugleich Durchgangsärzte.
  5. In Deutschland, Schweiz, Österreich und BeNeLux-Staaten haben sich zahlreiche zertifizierte Traumazentrum zu überregionalen und grenzüberschreitenden Netzwerken zusammengeschlossen.

 

 

Was ist die Traumatologie?

Traumatologie leitet sich ab vom altgriechischen τραῦμα (traûma) für Wunde, Verletzung und λόγος (lógos) die Lehre von…, also die Heilkunde bei Verletzungen. Trauma bezeichnet medizinisch alle akuten physischen und psychischen Schädigungen eines Menschen in Form eines Unfalles oder eines Schockerlebnisses.

Die Traumatologie ist ein Teilgebiet der Chirurgie, die sich insbesondere mit Diagnose und Therapie von Unfallverletzungen beschäftigt. Dabei beschränkt sich die Unfallchirurgie rein auf die körperlichen Folgen von Unfällen und überlässt die Behandlung psychischer Traumata den Kollegen aus der Psychologie und Psychotherapie.

Neben der Akutbehandlung befasst sie sich zudem mit der Prävention von Unfällen und um wiederherstellende sowie funktionsersetzende Eingriffe (Wiederherstellungschirurgie) wie auch um die nachfolgende Rehabilitation von den Unfallfolgen.

 

Welche Aufgaben hat ein Traumatologe?

Viele Traumatologen arbeiten als Notärzte und/oder in der Zentralen Notaufnahme von Krankenhäusern. Bei jedem Unfall ist es zwingend notwendig, bereits am Unfallort die Lage des Patienten möglichst schnell und möglichst genau einzuschätzen, um über die notwendigen medizinischen Maßnahmen entscheiden zu können.

Besonders kritisch ist das bei Unfällen, die mehrere Personen betreffen und bei Patienten mit Barytrauma oder Polytrauma, das heißt besonders schweren Verletzungen und Verletzungen in mehreren Körperregionen zugleich.

Hier heißt es schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen – wer muss wie zuerst akut versorgt werden, welche Verletzung ist vorrangig zu versorgen, welche Patienten und Verwundungen können an andere Ärzte und Fachabteilungen delegiert werden. Eine Vielzahl kritischer und lebenswichtiger Entscheidungen, die über Leben und Tod entscheiden und die man als Außenstehender gar nicht genug honorieren kann.

Ist ein Patient akutversorgt, landet er auf der Intensivstation einer Klinik und wird dort weiter betreut. Gegebenenfalls findet danach eine Verlegung in eine entsprechende Fachabteilung statt, die sich um die weitere Gesundung kümmert.

Je nach Unfallfolgen schließt sich eine Rehabilitation in einer dafür geeigneten Einrichtung an. Für die Koordination aller erforderlichen Maßnahmen ist der Unfallarzt zuständig.

Traumatologe als Durchgangsarzt

Viele Unfallärzte sind zugleich Durchgangsärzte (D-Ärzte) – das heißt sie fungieren als offizielle Vertreter der Gesetzlichen Unfallversicherung, in der alle Arbeitnehmer, Schüler und privat Pflegende automatisch versichert sind. Für Unfallfolgen kommt die Unfallversicherung auf, nicht die private oder gesetzliche Krankenkasse wie bei anderen Erkrankungen.

Die Zulassung als Durchgangsarzt erhalten Unfallärzte von den zuständigen Landesverbänden der Berufsgenossenschaften.

 

Anforderungen an einen Traumatologen

Ein Traumatologe muss Facharzt für Chirurgie oder Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sein. Als Durchgangsarzt ist der Schwerpunkt Unfallchirurgie oder Spezielle Unfallchirurgie notwendig.

Anforderungen an eine Traumatologie

An die Einrichtung einer unfallchirurgischen Abteilung in einem Krankenhaus stellt die Gesetzliche Unfallversicherung besondere Anforderungen. Diese sind im Siebten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB VII) festgelegt und von den Landesverbänden der Berufsgenossenschaften streng überwacht.

Zu den Voraussetzungen für den Betrieb einer Unfallchirurgie gehören ein Operationssaal zur notfallchirurgrischen Versorgung, Intensivstation, Blutbank, Schockraum, Röntgengerät, Spiral-CT und ein Landeplatz für Hubschrauber, mit dem Schwerverletzte nach Unfällen schnell angefahren werden können – 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr.

Traumazentren

Lokale, regionale und überregionale Traumazentren sind in Deutschland in Traumanetzwerken zusammengeschlossen, die mit den Rettungsdiensten eng kooperieren und eine interdisziplinäre und klinikübergreifende Versorgung von Schwer- und Schwerstverletzten ermöglichen. Für eine Zertifizierung müssen diese Traumazentren spezielle Voraussetzungen erfüllen.

An der Initiative TraumaNetzwerk DGU nehmen zur Zeit 677 Kliniken aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den BeNeLux-Ländern teil. Die teilnehmenden Traumazentren haben sich zu 53 teils grenzüberschreitenden, zertifizierten Traumanetzwerken zusammengeschlossen.

Aufgaben der Traumatologie

Die Traumatologie befasst sich mit physikalischen wie auch chemischen Akutverletzungen. Ursachen sind Biss-, Stich-, Schnitt- oder Schussverletzungen, Verkehrsunfälle, Sport- oder Arbeitsunfälle.

Zu den Folgen gehören vor allem mechanische Verletzungen des Bewegungsapparates, der bei Unfällen besonders exponiert ist. Dazu zählen Knochenbrüche, Muskelverletzungen sowie Risse und Zerrungen in Sehnen und Bändern.

Hinzu kommen traumatische Verletzungen der Körperhöhlen Brustkorb (Thorax), Bauch (Abdomen) und Kopf einschließlich des Kiefers. Oftmals sind diese mit massiven Blutverlusten und Organschäden verbunden.

Ebenfalls bei Unfällen exponiert ist die Haut, vor allem in Form von Abschürfungen, Verätzungen, Unterkühlungen und Verbrennungen. Hier ist eine Akutversorgung dringlich, da durch die fehlende Hautbarriere viel Flüssigkeit verloren geht, die Gefahr einer Unterkühlung besteht und Infektionen einen hervorragenden Nährboden vorfinden.

Eine seltene physikalische Beeinträchtigung sind Unfälle mit radioaktiven Stoffen, die einer besonderen Versorgung bedürfen. Das gilt sowohl für Verstrahlungen als auch auch akute Intoxikationen mit radioaktiven Substanzen.

Traumatologie in Kooperation mit weiteren medizinischen Fachrichtungen

Je nach Unfallart und betroffenen Organen oder Körperteilen ist eine enge Zusammenarbeit mit weiteren internistischen und chirurgischen Spezialdisziplinen notwendig. Dazu gehören

  • Orthopädie bei Verletzungen des Bewegungsapparates mit Knochen und Gelenken; wobei Traumatologen ohnehin eine eingehende orthopädische Ausbildung haben;
  • Neurochirurgie bei Nerven-, Rückenmarks- und Gehirnverletzungen;
  • Handchirurgie als Spezialgebiet, das sich mit den komplizierten anatomischen und funktionellen Gegebenheiten der Hand besonders gut auskennt;
  • Kinderchirurgie bei verunfallten Kindern und Jugendlichen – Kinder sind keinesfalls nur kleine Erwachsene;
  • plastische und ästhetische Chirurgie bei der Rekonstruktion von Gesicht, Ohren, Nase und anderen Körperteilen;
  • Kieferchirurgie und zahnärztliche Behandlungen bei Zahn- und Kieferverletzungen und dabei notwendig werdenden Rekonstruktionen oder Ersatzmöglichkeiten;
  • Ophthalmologie zusammen mit Augenärzten bei Verletzungen des Auges, des Sehnerven und der Augenhöhle (Orbita);
  • HNO-Ärzte bei Hörverlust nach Explosionen;
  • Psychotraumatologie ist nicht zu unterschätzen, wenn es um die Bewältigung der oft erheblichen psychischen Folgen vun Unfällen geht.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU):
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU):
  • Bernhard Weigel, Michael L. Nerlich: Praxisbuch Unfallchirurgie. 2. Auflage. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 9783642107887.
  • Joachim Grifka, Markus Kuster: Orthopädie und Unfallchirurgie. Stuttgart 2011: Springer-Verlag. ISBN-10: 9783642131103.