Endokrinologe

Die Endokrinologie ist ein medizinisches Fachgebiet, das sich mit den endokrinen Drüsen des Körpers und ihren Erkrankungen befasst. Diese Drüsen sind für die Produktion von Hormonen zuständig, speziellen Botenstoffen, die bereits in geringen Konzentrationen große Auswirkungen auf alle Stoffwechselvorgänge in den Organen haben.

Was ist Endokrinologie?

Das Wort Endokrinologie kommt aus dem Griechischen, wo ἔνδον éndon innen, κρίνειν krínein absondern und λόγος lógos die Lehre von… bedeutet. Damit bezieht sie sich auf die Produktion und Absonderung von Hormonen und den Erkrankungen, die endokrine Drüsen, Hormone und Hormonwirkungen betreffen.

Was macht ein Endokrinologe? – Das Wichtigste auf einen Blick!

  1. Die Endokrinologie befasst sich mit den Erkrankungen des Hormonhaushaltes.
  2. Ein Endokrinologe ist ein Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie.
  3. Hormone sind die endokrinen Drüsen des Körpers, die diese Botenstoffe an die Blutbahn abgeben und so eine Vielzahl von Körperfunktionen steuern.
  4. Erkrankungen dieses Systems bezeichnet man als Endokrinopathien.
  5. In der Klinik am wichtigsten sind Diabetes und Erkrankungen der Schilddrüse.

Endokrinologe

Aufgaben eines Endokrinologen

Endokrinologen sind Fachärzte für Innere Medizin mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie. Eine Zusatzqualifikation Diabetologie können auch andere Internisten erwerben, sodass Diabetiker nicht nur von Endokrinologen betreut werden.

Was bedeutet exokrine Drüsen und endokrine Drüsen?

Drüsen sind spezielle Gewebe, die sich von Epithelgewebe ableiten. Sie produzieren chemische Stoffe, die sie an die Umgebung abgeben, einen Vorgang, den mal als Sekretion bezeichnet.

Bei exokrinen Drüsen geschieht das über einen Ausführgang, über den diese Substanzen an die Oberfläche des Epithelgewebes gelangen (von griechisch ἔξω éxo, nach außen). Hierzu zählen beispielsweise die Schweißdrüsen und Talgdrüsen der Haut oder die Speicheldrüsen der Mundhöhle.

Bei den endokrinen Drüsen erfolgt die Sekretion dagegen ἔνδον éndon, nach innen, das heißt in die Blutbahn. Dadurch verteilt sich das Sekret sehr schnell im gesamten Körper und gelangt so schnell zu den Zielorganen. Dort lösen die Hormone bestimmte Wirkungen aus. Zu den endokrinen Drüsen gehören die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) oder die Schilddrüse (Thyroidea), aber auch die Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke).

Einige wenige Drüsen sind gemischte Drüsen, die sowohl exokrine als auch endokrine Anteile haben. Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) beispielsweise produziert exokrin Verdauungssäfte, endokrin die Blutzucker-regulierenden Hormone Insulin und Glukagon.

Oftmals sind Drüsen funktionell hintereinandergeschaltet und beeinflussen sich durch Rückkopplung gegenseitig in ihrer Aktivität. Das gilt beispielsweise für den Hypothalamus im Zwischenhirn, der die Aktivität der Hypophyse steuert. Diese wiederum beeinflusst Schilddrüse, Nebenniere, Milchdrüse und die Keimdrüsen. Umgekehrt sorgen die von ihnen produzierten Hormone dafür, dass der Hypothalamus nicht zu viel von den seinen freisetzt.

 

Steuerzentrale des Körpers: Das Exokrinium und Hormone

Vom Exokrinium haben die Wenigsten schon einmal etwas gehört. Dabei handelt es sich neben dem Nervensystem um die wichtigste Steuerzentrale des Körpers, das man auch als endokrines System bezeichnet. Entscheidende Elemente des Endokriniums sind die hormonproduzierenden endokrinen Drüsen, die von ihnen freigesetzten Hormone und die Rezeptoren auf der Zelloberfläche ihrer Zielorgane.

Die Hormone steuern sämtliche körperlichen Vorgänge. Dazu gehören Wachstum und Entwicklung ebenso wie die basalen Körperfunktionen und die Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen. Einige wichtige Beispiele sind

  • Kohlenhydratstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel und Fettstoffwechsel
  • Einhaltung von Blutdruck, Körpertemperatur, Atemfrequenz, Herztätigkeit
  • Körperliches Wachstum in der Entwicklung
  • Knochenaufbau und Knochenabbau
  • Sexualentwicklung, Sexualtrieb und Menstruationszyklus
  • Anpassung an Stresssituationen.

Hormone: Kleine Dosis, große Wirkung

Treten bei diesen Regulationsmechanismen Störungen auf, fallen die damit verbundenen Erkrankungen in das Fachgebiet der Endokrinologie und eines Endokrinologen. Ein Hormonüberschuss, verminderte Produktion, gestörte Interaktion mit den Hormonrezeptoren und andere Störungen der empfindlichen Balance führen zu einer Vielzahl von Krankheiten.

Schaut man sich die Mengen an Hormonen an, die im Blut zirkulieren, wird schnell klar, dass bereits kleinste Veränderungen große Auswirkungen haben. Kennzeichnend für Hormone ist, dass sie schon in extrem geringer Konzentration wirken.

Als Beispiel seien die Schilddrüsenhormone genannt: Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) erhalten künstliches Levothyroxin (L-Thyroxin) als Ersatz für das fehlende eigene Hormon Thyroxin, das die Schilddrüse nicht in ausreichenden Mengen herstellen kann. Standarddosierung des L-Thyroxins ist 50 Mikrogramm – fünfzig mal ein tausendstel Milligramm. Dagegen enthalten die meisten anderen Tabletten, die man üblicherweise einnimmt, Milligramm-Mengen eines Medikamentes, wie 100 Milligramm ASS zur Blutverdünnung oder 500 Milligramm Paracetamol als Schmerzmittel.

Ähnlich sieht es beim Insulin von Diabetikern aus – nur handelt es sich hier um ein Peptidhormon, bei dem man nicht die Menge, sondern die Aktivität in Form von Einheiten angibt. Auch hier beeinflussen bereits minimale Dosen von Insulin massive Veränderungen im Blutzuckerspiegel.

Daher ist es eigentlich bereits ein Wunder, dass endokrinologische Erkrankungen und Störungen des Hormonsystem nicht wesentlich häufiger vorkommen.

Sind die Hormone daran schuld? Die Aufgaben eines Endokrinologen

Da die Hormone alle Stoffwechselvorgänge steuern, können Erkrankungen im endokrinen System sich auf alle Organe auswirken und in alle medizinischen Fachbereiche hineinreichen. Daher ist es die vorrangige Aufgabe eines Endokrinologen, diese Erkrankungen zu erkennen und ihre Behandlung mit den passenden Fachärzten zu koordinieren.

Die passende Diagnose ist oftmals nicht einfach, da Störungen im Hormonhaushalt oft eine ganze Reihe verschiedenartiger Symptome nach sich ziehen. Eine Ursache auszumachen ist kaum möglich, wenn man die komplizierten übergeordneten Zusammenhänge nicht so gut kennt wie ein speziell dafür ausgebildeter Endokrinologe. Zudem beginnen die meisten endokrinen Erkrankungen mit relativ unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Gewichtsveränderungen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden, für die eine Vielzahl unterschiedlicher Grunderkrankungen in Frage kommen.

Daher haben viele Patienten bereits eine Ärzte-Odysee hinter sich, bevor sie an einen Endokrinologen überwiesen werden.

Welche Erkrankungen behandelt ein Endokrinologe?

Das Spektrum der Krankheiten, die ganz oder zumindest teilweise in die Zuständigkeit der Endokrinologie fallen, ist sehr breit gefächert. Man bezeichnet diese Erkrankungen als Endokrinopathien.

  • Schilddrüsenerkrankungen
    • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
    • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
    • Schilddrüsenautonomie (autonome Adenome, „heiße Knoten“)
    • Thyreotoxikose und thyreotoxische Krise
    • Schilddrüsenkrebs
    • Kropf
      • euthyreote Struma
      • Riedel-Struma (sklerosierende Thyreoiditis)
    • Morbus Basedow
    • Schilddrüsenentzündungen (Thyreoiditis), vor allem in Form der
      • Hashimoto-Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis)
    • angeborenes Jodmangelsyndrom (Kretinismus)
  • Erkrankungen der Nebenschilddrüsen (Parathyreoidea)
    • Nebenschilddrüsenüberfunktion (Hyperparathyreoidismus)
    • Nebenschilddrüsenunterfunktion (Hypoparathyreoidismus)
  • Diabetes mellitus (Blutzuckerkrankheit)
    • Diabetes mellitus Typ 1 – Insulinmangel
    • Diabetes mellitus Typ 2 – Insulinresistenz
    • Diabetes insipidus – Wasserharnruhr
  • Osteoporose
  • Störungen der Sexualhormone
    • vorzeitige Pubertät (Pubertas praecox)
    • verspätete Pubertät (Pubertas tarda)
    • androgenitales Syndrom
    • Pseudohermaphroditismus
    • Hyperandrogenämie
    • Hypogonadismus
    • Testosteronmangel
    • Verweiblichung und Vermännlichung
    • Wachstumsstörungen (Kleinwuchs, Riesenwuchs)
  • Störungen der Hypophyse
    • Hypophysenunterfunktion
      • Hypophyseninsuffizienz
      • Kallmann-Syndrom
      • Pickardt-Syndrom
      • Sheenan-Syndrom
      • Amenorrhö (Störungen der Regelblutung)
    • Hypophysenüberfunktion
      • Akromegalie
      • Schwartz-Bartter-Syndrom
      • Hyperprolaktinämie
  • Störungen der Nebennieren
    • Cushing-Syndrom (Überproduktion von Cortison in der Nebenniere)
    • Conn-Syndrom (Überproduktion von Aldosteron in der Nebenniere)
    • Nelson-Tumor
    • Phäochromozytom
    • Nebennierenrindenhypoplasie
    • Nebennierenrindeninsuffizienz (Hypoaldosteronismus)
    • Nebennierenmarküberfunktion
    • Morbus Addison
  • Störungen der Thymusdrüse
    • Thymushyperplasie
    • Thymushypertrophie

Untersuchungsmethoden in der Endokrinologie

Ein Endokrinologe beginnt seine Arbeit mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung (Anamnese), um sich ein Bild über Allgemeinzustand und Beschwerden eines Patienten zu machen. Hegt er danach einen Verdacht auf bestimmte Erkrankungen, schließt sich dem eine Blutuntersuchung und/oder Urinuntersuchung an. Die Laborwerte im großen oder kleinen Blutbild und im Harn geben oftmals bereits erste Hinweise.

Bestätigen lassen sich diese mit einer eingehenderen Untersuchung der entsprechenden Hormondrüsen durch bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) oder Szintigraphien.

Reicht das nicht für die Diagnose aus, schließen sich Hormonuntersuchungen oder zytologische Untersuchungen an Punktaten und anderem Biopsiematerial an.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE):
  • Gerd Herold: Innere Medizin. Köln 2016: G. Herold Verlag. ISBN-10: 3981466063.
    Wolfgang Piper: Innere Medizin. 2. Auflage. Stuttgart 2012: Springer-Verlag. ISBN-10: 3642331076.
  • Robert F. Schmidt, Gerhard Thews, Florian Lang: Physiologie des Menschen. Stuttgart 2000: Springer-Verlag. ISBN-10: 3540667334.
  • Rainer Klinge, Stefan Silbernagl: Lehrbuch der Physiologie. Stuttgart 2005: Thieme-Verlag. ISBN-10: 3137960045.
  • Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. Berlin 2014: Walter de Gruyter-Verlag. ISBN-10: 3110339978.